Freitags im öffentlichen Dienst…

Offene Türen, schläfrige Gestalten, reges kommunikatives Treiben unter Kollegen und der Duft von frisch gebrühtem Kaffee mit einer Prise abgestandenem Rauch aus den 80ern… so kennen wir ihn, den öffentlichen Dienst!

Da werden am frühen Morgen noch schnell dieser Antrag, jene Bewilligung und die durch den am Vortag in üppigen Mengen verzehrten Bohneneintopf verursachten Beschwerden durchgesprochen. Und dann passiert, was eigentlich nicht vor 9:00 Uhr passieren darf… das Telefon klingelt. „Herr Mayer? Der ist gerade nicht am Platz! Ja, genau… hmm… ja, da rufen Sie besser später nochmal an!“
Und warum ist Herr Mayer nicht am Platz? Weil Herr Mayer im Nebenbüro mit gespitzten Lippen genüsslich seinen Kaffee schlürft und dabei hin und wieder ein zufriedenes Grunzen von sich gibt. Und das ist „historisch so gewachsen“!

„Historisch so gewachsen“ sind auch der mittägliche Dienstgang in die Kantine, die Kaffeerunde um viertel vor drei sowie die dreistündige Abteilungsrunde, deren Inhalt sich locker in 30 Minuten zusammenfassen ließe: Während ich unruhig auf meinem Stuhl herumrutsche und mit meinem zwischen Daumen und Zeigefinger geklemmten Bleistift gegen meinen Oberschenkel trommle (das sich im linken Augenlid bemerkbar machende Zucken ignorierend), starrt Herr Heinrich leeren Blickes in die Ferne. Ab und zu reibt er sich am Kinn: „Ja, hmm, da bin ich jetzt wirklich überfragt. Was meinen Sie, Frau Schneider?“ Frau Schneider zupft sich noch einmal ihre Bluse zurecht. „Ja, es handelt sich definitiv um ein Henne-Ei-Problem, so viel steht fest!“ Dann betretenes Schweigen, bevor Herr Heinrich seine Stimme in emotionaler Ekstase leicht anhebt: „Aber…“, die geübten Zuhörer senken hier betroffen den Blick, dann kommt es, das gepresste „wir haben halt einfach ein Ressourcenproblem!“
Puuh! Es ist raus! Zumindest für heute! Ich atme erleichtert auf.

Pünktlich um 13:00 Uhr fallen schließlich die Türen ins Schloss und von allen Seiten schallt es: „Schönes Wochenende!“
Der Gang ist leer, der Kaffee ausgetrunken und zurück bleibt nur der muffige Geruch nach altem Papier und ein drückendes Gefühl in der Magengrube, während das letzte Echo aus dem WDR4 von den vergilbten Lammellen der Leinengardinen verschluckt wird.

Und das alles ist leider „sachlich richtig“!

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