Waisen – Das Theaterstück

Endlich einmal keine unästhetischen nackten Körper, die sich in Exkrementen oder Nahrungsmitteln wälzen…

Wie faszinierend Theater heutzutage auch ohne (bzw. gerade ohne) inszenatorische Tabubrüche sein kann, zeigt das Theater der Keller in Köln derzeit anhand des Stücks „Waisen“ von Dennis Kelly. Das literarische Niveau, die darstellerische Leistung der Schauspieler und die hippe Location – einfach großartig! (Zumindest habe ich es so empfunden, als ich letztens dort war. 😉 )

Inhaltlich geht es vor allem um moralisches Handeln, um Angst in und vor der gegenwärtigen Gesellschaft und um den verzweifelten Versuch, sich an den Resten längst vergangener, vermeintlich sicherer bourgeoiser Verhältnisse festzuklammern. Auch soziale Tugenden wie Vertrauen oder Loyalität erscheinen in dieser von Gewalt dominierten Welt als brüchig und fehlgeleitet. Woran glaubt man, wenn es keine Hoffnung mehr gibt? An die Familie? Die Moral? Oder vielleicht doch an die Gewalt?

Die daraus resultierende Ungläubigkeit, der Schock und das Entsetzen vor fremdem sowie eigenem Handeln werden besonders durch die Sprache der Figuren verdeutlicht. Sie wiederholen sich, fallen sich ins Wort, reden parallel oder treten mit einzeln in die Ferne gerichteten und über das Publikum hinweggleitenden Blicken in Wechselrede. So werden für den Zuschauer alle Emotionen zugleich an der Sprache und an den Gesichtern der Figuren ablesbar: Unsicherheit, Zweifel, Ent-täuschung…

Also kurz 🙂 : Ein wirklich packendes Stück, das sich jeder ansehen sollte, der in Köln oder Umgebung wohnt!

Die nächsten Aufführungen finden am 20. Mai, am 30. Mai und am 11. Juni 2015 statt.

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