Fifty Shades of Faust

Er ist älter und erfahrener als sie, ihn treibt die pure körperliche Begierde und er hat eine dunkle Seite!

Immer wieder tauchen diese Motive in erfolgreichen Erotik-Romanen auf. Doch es ist vor allem die Darstellung des besitzergreifenden, geheimnisvollen und abgründigen männlichen Wesens, die sich jüngst besonders großer Beliebtheit erfreut. Dieses Wesen ist stets zerstörerisch und bewahrend zugleich und in eben jener Dialektik liegt der erotische Reiz. Ob sich diese männliche dunkle Seite nun in Form von SM-Vorlieben, Blutdurst oder teuflischen Gefährten äußert, ist nebensächlich. Tatsache ist: Frauen scheinen darauf zu stehen!
Doch was ist so erotisch neu an einem Roman wie „Fifty Shades of Grey“? Was so besonders verführerisch an einem Mr. Grey? Um ehrlich zu sein: Gar nichts!
Sachlich-imaginativ gibt es das alles schon seit über 200 Jahren, neu ist lediglich die sprachliche Konkretisierung des sexuellen Vorgangs. E. L. James spricht ganz einfach aus, was Goethe noch nicht gewagt und wofür er so wunderbare Metaphern verwendet hat. Und was haben wir als Leserinnen davon? Entblößte Leidenschaft, die uns in allen Details entgegenspringt. Die Fantasie hat ausgedient und so projizieren wir auch nicht mehr unsere geheimen sexuellen Wünsche auf die Figuren oder deren Handlungen, sondern werden Zeuginnen einer knallharten und zeitweise schockierenden und verstörenden sexuellen Tatsache, eines orgastischen „So-Seins“.

Und doch gibt es so viele Parallelen zwischen Christian und Faust, zwischen Anastasia und Gretchen, so viele Ähnlichkeiten in der Schilderung und Wortwahl, dass ich mich zwar nicht frage: Warum „Fifty Shades of Grey“? Aber: Warum nicht mal wieder „Faust“?
Immerhin geht er einen Bund mit dem Teufel ein und zerstört alles und jeden, der seiner Begierde im Weg steht… Abgründiger geht es kaum noch.

Ich möchte hier keine weitere Buchkritik oder Empfehlung schreiben. Ich selbst habe nur Auszüge aus „Fifty Shades of Grey“ gelesen und das reicht mir eigentlich… Das soll aber jeder für sich selbst entscheiden!
Ich möchte lediglich zeigen, dass sich auch ältere literarische Werke wie „Faust“ durchaus erotisch lesen lassen.

Im Folgenden habe ich euch daher ein paar Auszüge aus beiden Werken („Fifty Shades of Grey“; „Faust“) zusammengestellt. Das Faust-Zitat ist dabei stets kursiv gehalten.

„Anastasia, was soll ich nur mit dir machen?““, flüstert er, als er mich aufs Bett drückt, sich neben mich legt und meine Hände über meinen Kopf hebt. „Lass deine Hände oben und beweg sie nicht, verstanden?“ Sein Blick droht, mich zu durchbohren; mir verschlägt es den Atem.

Ich höre sein anzügliches Grinsen in seiner Stimme, und während ich bei seinen Worten erschaudere, umkreist seine Zunge langsam meine Klitoris. Meine Oberschenkel hält er mit den Händen fest. 
„Ah!“, seufze ich, als mein Körper sich unter seiner Zunge aufbäumt.

O schaudre nicht! Laß diesen Blick,
Laß diesen Händedruck dir sagen
Was unaussprechlich ist:

„Ana“, formen seine Lippen. „Ja“, japse ich. „Auf ewig.“ Er stöhnt laut auf, schließt die Augen, lässt den Kopf nach hinten sinken. Das zu beobachten, bringt mich zum Höhepunkt.

Sich hinzugeben ganz und eine Wonne
Zu fühlen, die ewig sein muß!
Ewig! – Ihr Ende würde Verzweiflung sein
Nein, kein Ende! Kein Ende!

„Wo?“ Er erspart mir wirklich nichts. Verschämt deute ich zwischen meine Beine, und er grinst lüstern. Ich schließe verlegen und höchst erregt die Augen.

Dieser göttliche Mann ist mit Sicherheit nicht für mich bestimmt.

Beschämt nur steh ich vor ihm da
Und sag zu allen Sachen ja.
Bin doch ein arm unwissend Kind,
Begreife nicht, was er an mir findt.

„Eis“, bettle ich. „Nur, weil Sie mir heute schon so großes Vergnügen bereitet haben, Miss Steele.“ Wieder hält er mir einen Löffel Eis hin und lässt es mich diesmal sogar essen.

Er umfasst mit beiden Händen zärtlich mein Gesicht, […]

Ein überirdisches Vergnügen.
In Nacht und Tau auf den Gebirgen liegen
Und Erd und Himmel wonniglich umfassen,

Er liegt fast auf mir – ich spüre seine Erektion an meinem Po.

Ungeschickt und mit zitternden Fingern mache ich seine Hose auf und ziehe ihm Jeans und Boxershorts herunter. Nun steht er in voller Pracht vor mir. Wow.

Ich fühle mich wie Aphrodite.

Zu einer Gottheit sich aufschwellen lassen,
Der Erde Mark mit Ahnungsdrang durchwühlen,
Alle sechs Tagewerk im Busen fühlen,

Ich genieße es mit geschlossenen Augen. Nach einer Weile zieht er an meinen Haaren, so dass mein Hals entblößt ist. 
“Du gehörst mir“, raunt er und knabbert an meinem Ohrläppchen. 
Ich stöhne auf.

In stolzer Kraft ich weiß nicht was genießen,
Bald liebewonniglich in alles überfließen,

„Christian, bitte.“ „Bitte was?“, murmelt er zwischen meinen Brüsten. „Ich will dich in mir spüren.“ „Tatsächlich?“ „Bitte.“ Den Blick nicht von mir lösend, drückt er meine Beine mit seinen auseinander und versenkt sich köstlich langsam in mir. Ich schließe genüsslich die Augen, wölbe ihm instinktiv das Becken entgegen und stöhne laut auf. Er zieht sich kurz zurück und schiebt sich erneut in mich hinein. Meine Finger vergraben sich in seinen widerspenstigen Haaren, und wieder bewegt er sich ganz langsam hinein und heraus.

„Schneller, Christian, schneller … bitte.“ Er küsst mich leidenschaftlich und wird schneller, hart und unerbittlich … o Gott. Ich bin knapp davor. „Komm, Baby“, keucht er. „Komm für mich.“ Seine Worte lassen mich in eine Million Stücke explodieren.

Verschwunden ganz der Erdensohn,
Und dann die hohe Intuition – (mit einer Gebärde)
Ich darf nicht sagen, wie – zu schließen.

„Du bist wirklich ein schöner Anblick, Anastasia Steele.“

Verruchter! hebe dich von hinnen,
Und nenne nicht das schöne Weib!

Er sieht mich an, die Augen voller Begierde.

Plötzlich ist mein Körper hellwach. Das Bad hat meine Haut sensibilisiert. 
Mein erhitztes Blut sammelt sich in meinem Unterleib, zwischen meinen Beinen. Ich stöhne.

Ich vergrabe meine Hände in seine Haare. Seine Zunge umkreist meine Klitoris, treibt mich fast zum Wahnsinn, weiter und weiter, immer wieder.

Bring die Begier zu ihrem süßen Leib
Nicht wieder vor die halb verrückten Sinnen!

Seine Lippen auf meinen, seine Hände um meinen Kopf, während unsere Zungen einander umschmeicheln.

Als er zärtlich meine Fingerknöchel küsst, hallt die Berührung seiner Lippen in meinem ganzen Körper wider.

Ich bin ihr nah, und wär ich noch so fern,
Ich kann sie nie vergessen, nie verlieren
Ja, ich beneide schon den Leib des Herrn [d. i. Gott],
Wenn ihre Lippen ihn indes berühren.

Als er die Reise über meine Brüste wiederholt, bekomme ich eine Gänsehaut.

Ich stöhne auf. Verdammt ist das kalt, nein heiß, nein, es ist die reinste Folter, aber er gibt keine Ruhe, […]

Es ist so schwül, so dumpfig hie
(sie macht das Fenster auf)
Und ist doch eben so warm nicht drauß.
Es wird mir so, ich weiß nicht wie –
Ich wollt, die Mutter käm nach Haus.
Mir läuft ein Schauer übern ganzen Leib –
Bin doch ein töricht furchtsam Weib!
(sie fängt an zu singen, indem sie sich auszieht.)

Mein Körper fängt zu glühen an.

Ich sehe ihn an, und er erwidert meinen Blick mit glühenden Augen.

Es ist geradezu himmlisch, mit welcher Leidenschaft wir uns küssen.

Laß in den Tiefen der Sinnlichkeit
Uns glühende Leidenschaften stillen!

Christian zieht mich in seine Arme.

Mir wird’s so wohl in deinem Arm,
So frei, so hingegeben warm,

Sein Arm umschlingt meine Taille und zieht mich zu ihm heran, so dass er seine Nase an meinen Nacken schmiegen kann.

Was ist die Himmelsfreud in ihren Armen?
Laß mich an ihrer Brust erwarmen!

Ich gestatte mir einen kurzen Blick auf sein Profil: gerade
Nase, sinnliche Lippen, eine Haarsträhne in der Stirn.

Während er seine Nase an meiner reibt, streiche ich mit den Händen über seinen muskulösen Rücken bis zu seinem wohl geformten Hinterteil.

Sein hoher Gang,
Sein‘ edle Gestalt,

… O ja … Ich sehe ihn an, und er erwidert meinen Blick mit glühenden Augen.

Seine Augen glühen vor Liebe und etwas Dunklerem…

Seine Augen leuchten dunkel wie die Wolken eines Tropensturms.

Ein lüsternes, verführerisches Christian-Grinsen.

Seines Mundes Lächeln,
Seiner Augen Gewalt,

Er sieht mir in die Augen, beobachtet, taxiert mich, bevor er sich zu mir herunterbeugt und mir hastig einen keuschen Kuss auf die Lippen drückt.

Er drückt mir einen sanften Kuss auf den Rücken, über dem ersten Knopf meines Kleides.

„Ich werde Sie jetzt am ganzen Körper küssen, Miss Steele““, verkündet er mit sanfter Stimme, wölbt die Hand um mein Kinn und schiebt es nach oben, so dass mein Hals frei liegt. Seine Lippen gleiten an ihm hinunter, küssen, saugen und beißen, bis zu der kleinen Kuhle am unteren Ende.

Und seiner Rede
Zauberfluß,
Sein Händedruck,
Und ach! sein Kuß!

Ich schließe genüsslich die Augen, wölbe ihm instinktiv das Becken entgegen und stöhne laut auf.

Als ich mich zu ihm herabbeuge, um ihn zu küssen, richtet er sich auf, packt meinen Kopf und vergräbt seine Finger in meinen Haaren.

„Ich will dich anfassen.““ Meine Stimme klingt heiser. „„Ich weiß.“

Mein Busen drängt
Sich nach ihm hin,
Ach dürft ich fassen
Und halten ihn,

„Mr. Grey, so romantisch?“ „Für Sie, Mrs. Grey – Herzchen und Blümchen. Auf ewig.“ Ich küsse seinen schlichten Platinring, ohne den Blick von 
ihm zu wenden. Er schließt die Augen.

Ich hebe die Hand zu seinem zweiten Hemdknopf, küsse zärtlich Christians Brust und öffne auch die anderen Knöpfe, jeweils mit einem Kuss. Dazwischen flüstere ich: „Du. Machst. Mich. So. Glücklich. Ich. Liebe. Dich.“

Und küssen ihn,
So wie ich wollt,
An seinen Küssen
Vergehen sollt!

„Gott, fühlst du dich gut an“, flüstert er.

Und bin nun selbst der Sünde bloß!
Doch – alles, was dazu mich trieb,
Gott! war so gut! ach, war so lieb!

Seine Hände gleiten über meine Brüste, als er mit den Lippen die Kuhle unter meinem Hals erreicht.

„Christian, bitte.“ „Bitte was?“, murmelt er zwischen meinen Brüsten. „Ich will dich in mir spüren.“

Ach kann ich nie
Ein Stündchen ruhig dir am Busen hängen
Und Brust an Brust und Seel in Seele drängen?

Dann sind seine Finger an meinen Brüsten.

Er lässt den Mittelfinger über meine Brüste gleiten und zeichnet die Ränder der Korsage nach. Mein Atem geht flacher. Als er die Reise über meine Brüste wiederholt, bekomme ich eine Gänsehaut.

„Und ich will dich, meine Liebe, mein Leben …“

Wo fass ich dich, unendliche Natur?
Euch Brüste, wo? Ihr Quellen alles Lebens,
An denen Himmel und Erde hängt,
Dahin die welke Brust sich drängt –
Ihr quellt, ihr tränkt, und schmacht ich so vergebens?

Als ich an meiner Fessel zerre, knarrt das Bett gefährlich, aber das ist mir egal – ich brenne vor Lust.

Meine Lust wächst ins Unermessliche.

Schaff mir etwas vom Engelsschatz!
Führ mich an ihren Ruheplatz!
Schaff mir ein Halstuch von ihrer Brust,
Ein Strumpfband meiner Liebeslust!

Zu merken, dass ich eine solche Wirkung auf ihn ausübe, dass ich ihm derart Trost bieten kann, lässt mich dahinschmelzen …

Umgibt mich hier ein Zauberduft?
Mich drang’s, so grade zu genießen,
Und fühle mich in Liebestraum zerfließen!
Sind wir ein Spiel von jedem Druck der Luft?

Ich spüre seine Begierde, gepaart mit … was? Verehrung. Es ist, als würde er mich anbeten.

Ich genieße es mit geschlossenen Augen.

So tauml ich von Begierde zu Genuß,
Und im Genuß verschmacht ich nach Begierde.

(Und im Folgenden noch ein Verweis auf das heimliche, „masturbatorische“ Ausleben der Sinnlichkeit, gemischt mit der Angst des Entdecktwerdens…)

Erektion

Ich bin ganz nahe dran.

Und träte sie den Augenblick herein,
Wie würdest du für deinen Frevel büßen!
Der große Hans, ach wie so klein!
Läg, hingeschmolzen, ihr zu Füßen.

Wie ihr seht, kann sich auch ein Blick in die Klassiker durchaus lohnen… 😉

Manche der Vergleiche mögen dem ein oder anderen Literaturwissenschaftler sauer aufstoßen und allzu plump vorkommen, manche sind, aus dem Kontext gerissen, nicht ganz zutreffend, aber das hier soll ja auch keine wissenschaftliche Abhandlung sein…

Dieser Beitrag wurde unter Aktuell, Erotik, Literatur, Unterhaltung abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Fifty Shades of Faust

  1. Ollie schreibt:

    Ich kenne „50 Shades …“ inhaltlich nicht, wusste aber auch nicht, dass sich das so auf Groschenroman-Niveau bewegt. Du hast vollkommen recht: Den Faust würde ich jederzeit vorziehen und ich glaube, ich muss mir mal wieder ein Exemplar zulegen 🙂

    Liken

  2. sweetkoffie schreibt:

    Was für ein interessanter Vergleich!
    LG sk

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s